Heizungsgesetz: Welche Heizungen Sie jetzt noch einbauen dürfen

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Am 1. Januar 2024 ist das Heizungsgesetz in Kraft getreten.

Lange wurde es diskutiert, seit 1. Januar gilt es: Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) 2024, auch Heizungsgesetz genannt. Erfahren Sie in diesem Beitrag, welche Heizungen Sie jetzt noch einbauen dürfen, wie lange Sie Ihre Gas- oder Ölheizung noch nutzen können und welche Übergangsfristen gelten.

Inhaltsübersicht

Das Heizungsgesetz: Was müssen Sie als Eigentümer jetzt tun?

Vorweg: Sehr wahrscheinlich dürfen Sie Ihre Heizung trotz Heizungsgesetz noch einige Jahre weiterbetreiben. Grund zur Panik besteht also nicht. Dennoch ist es sinnvoll, sich bereits jetzt Gedanken um den Heizungswechsel und energetische Sanierungen zu machen. Empfehlenswert ist ein Plan, wie Sie Ihre Immobilie in den kommenden Jahren energetisch aufwerten und Ihre Heizung nach und nach auf erneuerbare Energien umstellen möchten.

So müssen Sie nichts übereilt entscheiden und können sich in Ruhe zu den Maßnahmen beraten lassen, die in Ihrem Fall am meisten Sinn ergeben. So erreichen Sie nicht nur aus energetischer Sicht das beste Ergebnis, sondern haben zudem eine bessere Kostenkontrolle und können die Ausgaben nach und nach tätigen.

Sie möchten wissen, wie Sie Ihre Immobilie bestmöglich auf einen Heizungswechsel vorbereiten? Dann lassen Sie sich doch von einem Energieberater einen individuellen Sanierungsfahrplan erstellen. Der individuelle Sanierungsfahrplan hilft Ihnen dabei, die energetische Sanierung schrittweise zu planen. Sie erhalten damit einen detaillierten Überblick über mögliche Maßnahmen und deren Einsparpotenzial.

Die Förderung von bis zu 80 Prozent der Kosten für einen individuellen Sanierungsfahrplan durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) im Rahmen des Förderprogramms Energieberatung für Wohngebäude (EBW) wurde im Rahmen der Haushaltssperre jedoch zunächst gestoppt (Stand 4. Januar 2023).

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Sind Gas- und Ölheizungen jetzt verboten?

Nein, Gas- und Ölheizungen sind laut Heizungsgesetz grundsätzlich nicht verboten. In fast allen Fällen dürfen Sie Ihre bestehenden Heizungen weiterbetreiben und sogar neu Gas- oder Ölheizungen einbauen. Nur in Neubaugebieten sind Sie seit 1. Januar verpflichtet, eine Heizung einzubauen, die zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben wird – sofern nicht vor dem 19. April 2023 ein Liefer- oder Leistungsvertrag geschlossen wurde und die Heizung nicht bis 18. Oktober 2024 in Betrieb geht.

Schließen Sie lediglich eine Baulücke in einem bestehenden Wohngebiet, gilt diese Vorgabe nicht. Wie auch bei bestehenden Gebäuden gelten die Vorgaben des Heizungsgesetzes erst ab 2026 (Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern) oder 2028 (Städte/Kommunen mit weniger als 100.000 Einwohnern). Denn bis dahin müssen die Kommunen ihre Wärmeplanung fertigstellen.

Gibt es vor der Frist bereits eine Wärmeplanung, treten die Vorgaben einen Monat nach Bekanntgabe des Wärmeplans in Kraft. Anschließend können Sie auch dann noch Gasheizungen installieren, wenn Ihr Wohngebiet an ein Biogas- oder Wasserstoffnetz angeschlossen wird – aber das gilt vielerorts als unwahrscheinlich.

Da die Frist von einem Monat nach Bekanntgabe der Wärmeplanung sehr kurz ist, sollten Sie sich vor einem Heizungstausch über den Stand der kommunalen Wärmeplanung informieren, um böse Überraschungen zu vermeiden.
Richtig ernst wird es erst ab dem Jahr 2045: Dann dürfen Sie keine Heizung mehr mit fossilem Öl oder Gas betreiben.

Ist jetzt der Einbau einer Öl- oder Gasheizung noch sinnvoll?

Vermutlich nicht. Zum einen, weil Gasheizungen deutlich teurer geworden sind. Eine neue Gasheizung ist aktuell nur wenige tausend Euro günstiger als geförderte klimafreundliche Heizung. Zum anderen, weil der CO2-Preis auf Erdgas und Heizöl in den nächsten Jahren stark steigen wird. Weil immer mehr Haushalte kein Gas mehr nutzen, dürften auch die Netzentgelte für den Gasanschluss in die Höhe schnellen.

Dennoch sollten Sie bei Ihrer Entscheidung bedenken, dass auch der Strompreis steigen kann und insbesondere der Einbau einer elektrischen Wärmepumpe oft weitere energetische Sanierungsmaßnahmen erforderlich macht.

Welche Heizungsarten sind laut Heizungsgesetz noch erlaubt?

Grundsätzlich gibt es eine Reihe von Heizungen, die als klimafreundlich gelten und zu mindestens 65 Prozent aus erneuerbaren Energien betrieben werden können.

Dazu zählen insbesondere

Eine elektrische Wärmepumpe nutzt überwiegend die ohnehin vorhandene Umweltwärme aus der Luft, dem Erdreich oder Abwassern. Prinzipiell funktioniert sie wie ein Kühlschrank, nur eben andersherum. Im Idealfall produziert sie aus einer Kilowattstunde Strom etwa drei bis vier Kilowattstunden Wärme. Kommt der Strom aus erneuerbaren Quellen, ist die Wärmepumpe also emissionsfrei. Am effizientesten und wirtschaftlichsten arbeitet sie mit niedrigen Vorlauftemperaturen – also in gedämmten Gebäuden mit Flächenheizkörpern oder Fußbodenheizung.

Weil eine Holz- oder Pelletheizung nur so viel CO2 freisetzt, wie die Pflanze beim Wachstum aus der Atmosphäre entnommen hat, gilt sie als klimaneutral. Biomasseheizungen können mit hohen Vorlauftemperaturen arbeiten und deshalb in unsanierten Gebäuden problemlos eingesetzt werden. Weil es nur dann nachhaltig ist Biomasse zu verbrennen, wenn diese ohnehin aus Abfällen anderer Produktionsprozesse entsteht (z.B. Sägemehl für Pellets), werden die Brennstoffe nur begrenzt zur Verfügung stehen. Bei steigender Nachfrage bedeutet das also auch steigende Preise. Zudem wird bei der Verbrennung mitunter Feinstaub freigesetzt.

Außerdem unter bestimmten Voraussetzungen

In Wärmenetzen kommt zum Beispiel Abwärme aus Industriebetrieben zum Einsatz. Dementsprechend gibt es solche Wärmenetze fast ausschließlich in Ballungszentren.

Reicht eine Wärmepumpe – beispielsweise aufgrund fehlender Dämmung – nicht zur Wärmeversorgung aus, können Sie über eine Kombination mit einer anderen Heiztechnik (z.B. Gas, Öl, Pellets) nachdenken. So sparen Sie den Aufwand für die Dämmung, müssen aber auch die Kosten für gleich zwei Heizsysteme stemmen. Sinnvoll kann das sein, wenn sie ein bestehendes System mit fossilem Energieträger mit einer kleiner dimensionierten Wärmepumpe ergänzen. Jedoch muss die Wärmepumpe bei einer Hybridheizung immer Vorrang vor der Öl- oder Gasheizung haben, damit die fossilen Energieträger nur an besonders kalten Tagen zum Einsatz kommen.

Mit einer ausreichend großen Solarthermieanlage und einer Gasheizung können Sie ebenfalls die Vorgaben des GEG erfüllen. Die Gasheizung müssen Sie dann aber zu mindestens 60 Prozent mit Biomethan oder grünem Wasserstoff betreiben. Aber: Ergänzen Sie eine bestehende Gasheizung um eine Solarthermieanlage, müssen Sie die Vorgaben nicht erfüllen. Dies ist erst der Fall, wenn Sie die bestehende Gasheizung austauschen.

In sehr gut gedämmten Gebäuden und mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien im Strommix, gilt auch eine Stromdirektheizung als klimafreundlich. In älteren und nicht gut gedämmten Gebäuden sind Infrarot- oder Nachtspeicherheizungen bei hohen Energiepreisen aber nicht wirtschaftlich.

Was einfach und bequem klingt, ist es oft nicht. Grüner Wasserstoff und Biogas stehen derzeit nur begrenzt zur Verfügung und sind sehr teuer. Experten hinterfragen, ob die Brennstoffe künftig flächendeckend zu bezahlbaren Preisen erhältlich sind.

Gasheizungen, die mit normalem Erdgas betrieben, aber auf grünen Wasserstoff umgestellt werden können, heißen H2-ready-Heizungen. Sie dürfen nur installiert werden, wenn das Gebäude laut kommunaler Wärmeplanung in einem Ausbaugebiet für ein Wasserstoffnetz liegt.

Wie viel Zeit gibt es für den Heizungstausch laut Heizungsgesetz?

Sie haben als Eigentümer laut Heizungsgesetz fünf Jahre Zeit, um im Falle eines Heizungstausches eine Heizung einzubauen, die zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien heizt. In der Zwischenzeit dürfen Sie nochmals ein System einbauen, das diese Vorgabe nicht erfüllt.

Plant Ihre Kommune den Anschluss an ein Wärmenetz, schafft dies aber nicht innerhalb der fünf Jahre, lässt sich die Übergangsfrist auf zehn Jahre verlängern.

Dann müssen Sie aber einen Vertrag mit einem Wärmenetzbetreiber schließen, der die Belieferung innerhalb von zehn Jahren garantiert. Wird Ihre Immobilie dann doch nicht an ein Wärmenetz angeschlossen, haben Sie drei Jahre Zeit, um eine Alternative zu finden.

Bis wann dürfen Sie Öl- und Gasheizungen noch betreiben?

Ihre funktionierende Heizung müssen Sie nicht austauschen. Erst, wenn sie kaputt ist und nicht mehr repariert werden kann, sind sie innerhalb von fünf Jahren zum Austausch verpflichtet. Die maximale Betriebsdauer von Öl- und Gasheizungen wurde jedoch bereits vor dem Heizungsgesetz geregelt. Heizungen mit Standard- oder Konstanttemperaturkesseln dürfen maximal 30 Jahre lang betrieben werden.

Handelt es sich um ein Ein- oder Zweifamilienhaus, dass Sie als Eigentümer mindestens seit dem 31. Januar 2002 bewohnen, greift diese Regel nicht. Außerdem besteht die Austauschpflicht nicht bei Brennwert- und Niedrigtemperaturkesseln.

Grundsätzlich können Sie Ihre vor dem 1. Januar 2024 installierte Gas- oder Ölheizung nach aktuellem Stand bis maximal zum 31. Dezember 2044 weiter betreiben, ohne auf Mindestanteile für erneuerbare Energien achten zu müssen.
Bauen Sie zwischen dem 1. Januar und der Bekanntgabe der kommunalen Wärmeplanung eine Gas- oder Ölheizung ein, müssen Sie hingegen schrittweise Mindestanteile für erneuerbare Gase erfüllen. Ab 2029 mindestens 15 Prozent, ab 2035 mindestens 30 Prozent und ab 2040 mindestens 60 Prozent.

 

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Foto: stock.adobe.com – Angelo