Warum Energieeffizienz beim Immobilienkauf zählt – Interview mit Immobilienexperte Jan Oechler

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Energieeffizienz beim Immobilienkauf

Im Zuge der fortschreitenden Klimadiskussion und steigender Energiekosten wird das Thema Energieeffizienz bei Immobilien immer wichtiger. Doch wie relevant sind die Energiezustände von Immobilien heutzutage für Käufer und Investoren? Jan Oechler, Immobilienexperte und Filialleiter von Laufenberg Immobilien, erklärt, wieso die Energieeffizienz besonders wichtig beim Immobilienkauf- und Verkauf ist.

 

Der Energieverbrauch von Immobilien wird zunehmend als Kaufkriterium gesehen. Warum ist der Energiezustand einer Immobilie heutzutage so wichtig?

Das Thema Energieeffizienz hat in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Käufer und Investoren berücksichtigen den Energieverbrauch von Immobilien nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus ökonomischen Gründen. Eine energieeffiziente Immobilie bedeutet nicht nur ein besseres ökologisches Gewissen, sondern vor allem auch langfristig niedrigere Betriebskosten. In Zeiten hoher Energiepreise kann eine schlecht gedämmte oder ineffizient beheizte Immobilie schnell zu einer Kostenfalle werden. Zudem gewinnt der Energieausweis zunehmend an Bedeutung, sowohl bei Neubauten als auch bei Bestandsimmobilien. Durch diesen kann der energetische Zustand einer Immobilie klar und transparent dargestellt werden, was den Käufern hilft eine fundierte Entscheidung zu treffen.

Hinzu kommt, dass sich viele Käufer und Eigentümer durch die aktuelle Politik verunsichert fühlen. Grund dafür ist unter anderem das Gebäudeenergiegesetz (GEG). Bei einem Eigentümerwechsel müssen die Käufer, laut dem GEG, einer Sanierungspflicht nachgehen. Dies bedeutet, dass die neuen Eigentümer innerhalb von zwei Jahren nach dem Kauf, dazu verpflichtet sind, die Immobilie zu sanieren. Hierbei spielt es keine Rolle, was der Grund für den Eigentümerwechsel ist, auch Schenkungen oder Erbschaft sind davon betroffen. Das GEG schreibt drei Maßnahmen vor, die innerhalb dieser Frist erfolgen müssen:

  1. Dämmung der obersten Geschossdecke einer beheizten Wohnung als Abgrenzung zu einem nicht ausgebauten und nicht beheizten Dachraum oder Dämmung des Dachs anstelle der obersten Geschossdecke (§ 47 GEG)
  2. Modernisierung von Heizungen durch den Austausch von Standard- und Konstanttemperaturkessel (§ 72 GEG)
  3. Dämmung von warmwasserführenden Rohren, nämlich von ungedämmten Heizungs- und Warmwasserrohren oder Armaturen in unbeheizten Räumen (§ 71 GEG)

Diese Sanierungen können zu hohen Kosten führen, je nachdem wie gut der energetische Zustand der Immobilie ist. Da diese Pflichten jedoch nur für die neuen Eigentümer gelten, ist die Energieeffizienz ein immer bedeutsamer werdendes Kaufkriterium.

 

Was genau versteht man unter einer „schlechten“ Energieeffizienz? Und wie wirkt sich das auf den Markt aus?

Eine „schlechte“ Energieeffizienz bedeutet, dass eine Immobilie hohe Energieverbrauchswerte aufweist, die in den unteren Kategorien des Energieausweises liegen. In Deutschland spricht man von einer schlechten Energieeffizienz bei den Klassen F und G. Diese Gebäude sind in der Regel nicht ausreichend gedämmt und besitzen häufig veraltete Heizsysteme. Das führt nicht nur zu hohen Heizkosten, sondern auch zu einem geringeren Marktwert. Da mit hohen Modernisierungs- und Sanierungskosten zu rechnen ist, gestaltet sich der Verkauf schwieriger.

Allerdings steckt in ihnen auch viel Potenzial und zahlreiche Förderungen machen den Kauf wieder attraktiver. Bereits kostengünstige Sanierungsmaßnahmen können Eigentümer zu einem höheren Marktwert verhelfen. So verschaffen beispielsweise abgedichtete Fenster oder ein gedämmtes oberstes Geschoss, einen Mehrwert für Verkäufer und Käufer. Durch diese Maßnahmen steigt nicht nur der Marktwert der Immobilie, auch potenzielle Käufer fühlen sich sicherer beim Kauf.

Außerdem nehmen auch die Unsicherheiten der vergangenen Jahre weiter ab, und immer mehr Menschen wollen kaufen. Auch der Nachhaltigkeitsgedanke ist bei vielen verbreitet. So steigt auch die Nachfrage nach energieeffizienten Objekten immer weiter. Bei Laufenberg Immobilien wurden im Jahr 2024 mehr als 5.000 Suchprofile angelegt, 2023 waren es nur 3.772. Zu der steigenden Kauflust zeigt sich auch die Anpassungsfähigkeit vieler Käufer. Viele suchen nicht nur nach modernen Neubauten, sondern auch nach Objekten, die sie selbst mit staatlicher Unterstützung sanieren können. Unsere Beobachtungen zeigen, dass die Kauflust bei Immobilien nach wie vor wächst.  

Zudem ist es für uns als Anbieter von wichtig, diese Entwicklung aktiv zu begleiten und potenziellen Käufern die Fördermöglichkeiten sowie die langfristigen Einsparpotenziale klar zu kommunizieren. Auf der Webseite von Laufenberg Immobilien erhalten Interessierte viele Informationen zum Thema Energieeffizienz in Blogbeiträgen oder YouTube-Videos.

 

 

Was müssen Eigentümer beachten, die eine Immobilie mit einem „schlechten“ energetischen Zustand besitzen?

Eigentümer einer solchen Immobilie müssen sich seit 2024 an das verschärfte GEG halten. Laut diesem Gesetz müssen Gebäude, welche eine Energieeffizienzklasse von G oder F besitzen, bis zum Jahr 2030 energetisch saniert werden, sodass sie mindestens die Energieeffizienzklasse E erreichen. Das Ziel ist es, alle Gebäude bis 2050 klimaneutral umzubauen. Bei Neubauten sind die Regelungen noch strenger gefasst. Wird neu gebaut, muss die Immobilie den Standard eines Effizienzhauses 55 erfüllen. Dies entspricht der Energieeffizienzklasse A.

Erfolgt ein Eigentümerwechsel, müssen sich die Käufer an die Sanierungspflicht halten. Doch mit einer guten Planung und Fördermittel lässt sich die energetische Sanierung gut umsetzen. Auch wenn die Immobilie eine schlechtere Energieeffizienz besitzt, bedeutet es nicht, dass sie nicht mit wenigen Schritten ausreichend saniert werden kann. In vielen dieser Immobilien steckt viel Potenzial, welches nicht von dem energetischen Zustand überschattet werden sollte.

 

Gibt es spezielle Fördermöglichkeiten, die den Kauf und die Sanierung solcher Immobilien attraktiver machen?

Ja, zum Glück gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Förderprogrammen, die sowohl für Käufer als auch für Eigentümer von Bestandsimmobilien von großem Nutzen sind. Zwei besonders attraktive Programme sind die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) und die KfW-Förderung für energieeffizientes Bauen und Sanieren. Diese Programme unterstützen Investoren und Eigentümer nicht nur mit zinsgünstigen Krediten, sondern auch mit direkten Zuschüssen für die Umsetzung energetischer Sanierungen. Besonders hervorzuheben ist, dass diese Förderungen auch noch relativ neue Eigentümer dazu ermutigen, in eine energetische Sanierung zu investieren – was die Marktchancen für Immobilien mit schlechter Energieeffizienz deutlich verbessert.

 

Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung des Immobilienmarktes im Hinblick auf energieeffiziente Gebäude ein?

Die Nachfrage nach energieeffizienten Immobilien wird mit Sicherheit weiter steigen. Gerade junge Käufer und Investoren legen zunehmend Wert auf Nachhaltigkeit und niedrige Betriebskosten. Gleichzeitig gibt es immer mehr Initiativen, die den Wert von energieeffizienten Gebäuden steigern, wie zum Beispiel steuerliche Erleichterungen oder neue Zertifikate. Immobilien, die bereits nach den neuesten Standards gebaut wurden oder kürzlich saniert wurden, werden von den Käufern bevorzugt. Aber auch Immobilien mit einer schlechten Energieeffizienz haben durchaus Potenzial – wenn die richtigen Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Die Fördermittel und die Möglichkeit, den Wert der Immobilie durch energetische Verbesserungen zu steigern, machen auch solche Objekte für Käufer weiterhin interessant.

 

Was würden Sie Käufern raten, die sich mit dem Thema Energieeffizienz und Sanierung von Immobilien beschäftigen?

Mein Rat ist, nicht nur auf den Kaufpreis einer Immobilie zu schauen, sondern auch die langfristigen Kosten zu berücksichtigen. Eine schlechte Energieeffizienz mag den Preis zunächst attraktiver erscheinen lassen, jedoch müssen Käufer in Betracht ziehen, dass die Sanierung solcher Objekte mit hohen Kosten verbunden sein kann. Es ist wichtig, den Zustand des Gebäudes gründlich zu prüfen und die möglichen Modernisierungsmaßnahmen in die Kaufentscheidung einzubeziehen. In jedem Fall sollte man nicht zögern, sich beraten zu lassen und die verfügbaren Fördermittel optimal zu nutzen. Besprechen Sie dies auch ausführlich mit ihrer Bank. Manche Banken achten verstärkt auf die Energieeffizienz einer Immobilie. Dies kann dazu führen, dass die Bank eine höhere Eigenkapitalquote für den Kredit verlangt.

 

Fazit

Der Energiezustand einer Immobilie spielt eine immer wichtigere Rolle auf dem Immobilienmarkt. Sowohl Käufer als auch Verkäufer sollten die Bedeutung von Energieeffizienz in ihren Entscheidungsprozess einbeziehen. Die aktuellen Fördermöglichkeiten und die steigende Nachfrage nach sanierten oder energetisch optimierten Gebäuden bieten sowohl für Käufer als auch für Eigentümer attraktive Chancen. Der Immobilienmarkt ist im Wandel, und die Zukunft liegt klar in energieeffizienten Lösungen.

 

Rechtlicher Hinweis:

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Bei individuellen Fragen oder Unsicherheiten wenden Sie sich bitte an einen qualifizierten Energieberater. 

 

 

Foto: stock.adobe.com – Andrey Popov

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